MEINUNGEN | Pro & Kontra
Zukunft der Wirtschaftsregion Rosenheim
Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landkreis wieder verbessert werden?
Das Verhältnis zwischen Stadt und Landkreis Rosenheim ist in den vergangenen Jahren nicht nur im Falle des geplanten Wohnkaufhauses Weko belastet worden. Beim Besuch von Ministerpräsident Edmund Stoiber zeigten sich Vertreter aus Stadt und Umland einig: Die Zusammenarbeit muss zum Wohle einer starken Wirtschaftsregion Rosenheim wieder intensiviert werden. Im aktuellen Forum von INNdependent.de suchen die Landratskandidaten von SPD und CSU, Dr. Manfred Gerner (38) und der amtierende Landrat Dr. Max Gimple (61), nach möglichen Wegen.

Dr. Manfred Gerner (SPD)
Nach jüngsten Ermittlungen hat die Zahl der Einwohner in Stadt und Land Rosenheim die 300.000 Marke überschritten. Ein Ende des Booms in unserer Region ist nicht abzusehen. Dafür gibt es gute Gründe, denn schließlich leben wir in der schönsten Region Deutschlands, und das wissen nicht nur wir. Natürlich gibt es auch ganz handfeste Argumente hier zu leben. Bei uns gibt es kaum Arbeitslosigkeit und der Wohlstand auch für den Normalbürger ist überdurchschnittlich. Dabei ist die wirtschaftliche Struktur bei uns überwiegend durch Klein- und Kleinstbetriebe gekennzeichnet. Mittelständische Unternehmen sind in der Minderheit, Großbetriebe die große Ausnahme.
Die Kehrseite des Wachstums ist aber auch für jeden sichtbar: Die Grundstückspreise sind teuer, die Straßen oft dicht und die Lebenshaltungskosten sind überdurchschnittlich hoch. Um aus dem Ballungsraum Rosenheim auch zukünftig einen Lebensraum zu schaffen, müssen wir politisch langfristig planen und handeln. Drei Aspekte sind für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung der Region Rosenheim wesentlich:
1. Es wird auch für unsere Region darauf ankommen, zukunftsfähige Betriebe mit sicheren Arbeitsplätzen durch eine möglichst unbürokratische und schnelle Genehmigungspraxis zu holen. Dies setzt aber voraus, dass man sich in Stadt und Land einig ist, wo man sich welche Betriebe zukünftig vorstellt. Wir dürfen uns nicht als Konkurrenten, sondern müssen uns als gemeinsame Akteure sehen. Dabei muss aber klar sein, dass wir die Grundlagen des Tourismus - zu dem auch die heimische Landwirtschaft maßgeblich beiträgt - als eine der regionalen Haupteinnahmequellen nicht gefährden oder gar zerstören. Die Verbrennung von Lackresten und anderen hochgiftigen Abfällen wie in Kiefersfelden ist hierbei eine Todsünde. Die Genehmigung dafür muss vom Landratsamt Rosenheim sofort zurückgenommen werden, denn die Belastungen für die Menschen vor Ort ist durch die Talenge und die Inversionswetterlage ausgesprochen gesundheitsgefährdend.
2. Eine vernünftige Verkehrsplanung, die den wachsenden Mobilitätsansprüchen der Bürgerinnen und Bürgern sowie der wirtschaftlichen Betriebe ebenso gerecht wird wie den berechtigten Interessen unserer zumeist noch intakten Umwelt und unserer wunderschönen Landschaft. Wir brauchen dringend die Umgehung von Rosenheim durch die Westtangente und Panorama-Schwaig, weil sonst der Verkehrsinfarkt nicht zu verhindern sein wird. Über den Bau der Ostumgehung (dritte Innbrücke) sollte man erst entscheiden, wenn die anderen Umgehungsstraßen in Betrieb sind. Mobilität muss aber auch über einen vernünftigen Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs angegangen werden. Den Pendlerstrom nach Rosenheim-Stadt und umgekehrt wird man nur mildern können, wenn attraktive – sprich möglichst kostengünstige und schnelle – öffentliche Alternativen zum Individualverkehr angeboten werden. Hier herrscht weitgehend Fehlanzeige. Zu sehr wurde auf die Umgehungstrassen gesetzt, zu wenig auf einen attraktiven Öffentlichen Personennahverkehr.
3. Ob es uns gelingt, passende Wirtschaftbetriebe nach Stadt und Land-Rosenheim zu bringen, hängt ganz entscheidend davon ab, ob wir in den modernen Kommunikationstechnologien auf der Höhe der Zeit sein werden. Leider ist hier vor allem im Landkreis die Entwicklung weitgehend verschlafen worden. Während anderswo die Bürger und Bürgerinnen beispielsweise ihr Auto per Mausklick am Online-Computer ummelden können, einen neuen Führerschein bestellen oder einen Jagdschein von zu Hause aus beantragen können, sind wir auf diesem wichtigen Sektor im Landratsamt Rosenheim in der Steinzeit. Was für den Privatmenschen zunehmend wichtiger wird, ist für moderne Unternehmen heute schon ein Standortfaktor erster Güte. Eine schnelle und reibungslose Kommunikation gerade mit Ämtern und Behörden ist ein Lebenselixier für die moderne Wirtschaft.

Dr. Max Gimple (CSU)
Der Erfolg der Wirtschaftsregion Rosenheim hängt ohne Zweifel auch davon ab, dass die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Rosenheim als Oberzentrum und dem Landkreis Rosenheim als einem der größten Landkreise Bayerns auf wesentlichen Feldern funktioniert. Weil dem so ist, wurde diese notwendige Zusammenarbeit zwischen Oberbürgermeister Dr. Stöcker und mir bereits in der Vergangenheit in pragmatischer Form gepflegt. Die Frage ist deshalb eigentlich nicht, wie diese Zusammenarbeit wieder, sondern wie sie weiter verbessert werden kann. Dabei ist vorweg festzustellen, dass es in der Stadt Rosenheim wie auch im Landkreis und seinen Gemeinden natürlicherweise unterschiedliche Aufgabenstellungen, Interessenlagen und damit auch Handlungszwänge gibt. Stadt wie Landkreis sind deshalb zunächst gefordert. ihre ganz originären, auch wirtschaftsbezogenen Aufgaben selbst zu erfüllen. Eine Zusammenarbeit muss und wird also dort erfolgen, wo sie im Interesse einer gemeinsamen Weiterentwicklung zweckmäßig oder auch zwingend ist.
Die Bedingungen für diese Zusammenarbeit sind gut. Abgesehen davon, dass es zwischen den Verwaltungsspitzen der Stadt und des Landkreises seit Jahren regelmäßige Gesprächsrunden gibt, wurde durch die Festschreibung eines Stadt- und Umlandbereiches im Regionalplan der Region Südostoberbayern bzw. durch die Gründung einer entsprechenden Arbeitsgemeinschaft inzwischen eine Plattform geschaffen, auf der gerade auch Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiet forciert werden kann. Diese Zusammenarbeit kann abgestimmte Gewerbegebietsausweisungen ebenso beinhalten wie z. B. gemeinsames Handeln bei der Ansiedlung oder auch Abwehr großflächiger Einzelhandelseinrichtungen. Aus möglichen Fehlern in der Vergangenheit können dabei beide Seiten durchaus lernen.
Von großer Bedeutung ist, dass Stadt und Landkreis heute darin übereinstimmen, dass konkrete Straßenbaumaßnahmen zur Lösung der Rosenheimer Verkehrsprobleme notwendig sind. Diese infrastrukturellen Verbesserungen sind für die Zukunft der Wirtschaftsregion Rosenheim ebenso unabdingbar wie die Sicherung und der Ausbau der hier unstrittig zu Hauf vorhandenen positiven Standortfaktoren. Neben der gemeinsamen Darstellung der besonderen Kompetenzen der Region. wie z.B. in der Holzverarbeitung oder bei den neuen Technologien, dürfen wir gerade in unserem Raum aber auch die Interessen der Landwirtschaft niemals außer Acht lassen.
Die Förderung der Zusammenarbeit innovativer Einrichtungen, wie z. B. des Logistikkompetenzzentrums in Prien und der Fachhochschule in Rosenheim, ist ebenso wichtig wie eine unvoreingenommene Kontaktpflege zwischen den Wirtschaftsförderungsstellen in der Stadt und im Landratsamt Rosenheim. So ist es heute selbstverständlich, Gewerbetreibende, die einen Standort suchen, gegebenenfalls weiterzuvermitteln, Existenzgründern gemeinsam Beratungsmöglichkeiten anzubieten oder gemeinsame Messeauftritte zu vereinbaren. Diese Zusammenarbeit wird durch eine künftige organisatorische Verbesserung der Euregio-lnntal auch nach Tirol ausgebaut und ergänzt werden und damit zusätzliche Zukunftsperspektiven eröffnen.
Die Voraussetzung für eine sachorientierte und damit erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der Stadt Rosenheim und dem Landkreis sind schon heute gegeben. Sie weiter zu verbessern ist gewiss ein gemeinsames Anliegen.
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