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Voller Magie: Archaische Urgesteine im Waldviertel.
Foto:Sven Eisermann

Schalensteine, Blutrinnen und eine Pyramide


Robert Bouchal, Johannes Sachslehner: Waldviertel - Mystisches, Geheimnisvolles, Unbekanntes

Egal ob Tirol oder Salzburg - unser österreichischer Nachbar ist uns seit der Öffnung der Grenzen noch näher ans Herz gerückt. Egal ob zum Bergsteigen, zum Ausgehen in Salzburg oder einfach nur zum günstig Tanken. Österreich und seine liebenswerte Bevölkerung besucht man oft mehrmals im Jahr - da kennt man sich aus. Ganz Österreich? Nun gut, fast jeder war schon mal in Wien. Kärnten, das Burgenland oder die Steiermark sind auch den meisten ein Begriff. Doch Hand aufs Herz, wer ist schon einmal bei Amstetten oder Melk von der Westautobahn runter gefahren, nicht wegen der Wachau, sondern wegen jener Landschaft im Norden der Donau; in jenen dünn besiedelten Flecken Österreichs nahe der tschechischen Grenze, wo sich Hase und Fuchs Gute Nacht sagen: ins Waldviertel.

Während so gut wie jeder Zweite schon mal in Mallorca, Florida oder New York Urlaub gemacht hat, ist das Waldviertel den meisten Deutschen so unbekannt wie Teile Sibiriens oder Zentralafrikas. Und das völlig zu unrecht. Schließlich bietet die Gegend gerade jetzt im Herbst all das, was viele gestresste Stadtmenschen brauchen, um ihre Batterien aufzuladen: Ruhe, Natur und herzliche Gastfreundschaft. Aber das ist noch lange nicht alles: Ähnlich wie in der Bretagne, auf Malta oder bei Stonehenge schlummern in den dunklen Wäldern faszinierende Zeugen längst vergangener Kulturen. Da gibt es riesige Steingiganten, Wackel- und Schalensteine mit rätselhaften «Blutrinnen» und Vertiefungen, unterirdische Höhlengänge, sogenannte Erdställe, deren Herkunft bis heute nicht zweifelsfrei geklärt ist und jede Menge weitere Orte voll alter Mythen und Geheimnisse. So findet man bei Zwettl beispielsweise eine steinerne Stufenpyramide. Mit ihren 14 Metern Höhe kann sie zwar nicht mit ihren Kolleginnen in Gizeh oder Mexiko mithalten, ist aber trotzdem eine waschechte Pyramide. Viele dieser Kraftplätze geben bis heute Rätsel auf.

Johannes Sachslehner gelingt in seinem Buch «Waldviertel - Mystisches, Geheimnisvolle, Unbekanntes» eine sensible Annäherung an Mythos und Landschaft. Jenseits esoterischer Spekulationen widmet er sich der spezifischen Erinnerungskraft von Orten und Plätzen und lässt die Überlieferungen der Bevölkerung zu Wort kommen. Allein die wunderbar-archaischen Fotos von Robert Bouchal machen Appetit auf einen kleinen Herbsturlaub voll Ursprünglichkeit und Magie. Für ein verlängertes Wochenende ist das Buch Reiseführer und Gute-Nacht-Lektüre zugleich. Es entführt zu gruseligen Orten mittelalterlichen Schreckens und in die Welt der Waldhexen und Sagengestalten, ohne dabei geschichtliche Fakten außer Acht zu lassen. Ein Lesevergnügen nicht nur für nebelige Herbststunden.

Pichler Verlag, Wien. 170 Seiten. Euro 24,90. ISBN 3-85431-274-1

Sven Eisermann 28.09.2006
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