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NACHRICHTEN | Lokales | Berchtesgadener Land

Langsam-Leitung oder „Absurdistan” in Schneizlreuth
Die Firma BMK transportiert Daten per USB-Stick und CD-Rom – 100 Meter entfernt liegt eine Glasfaser
SCHNEIZLREUTH. Weil es so absurd ist, muss Ursula Maier, Prokuristin der Firma BMK Bearbeitungstechnologien in Schneizlreuth, fast ein wenig lachen. „Große Datenmengen transportieren wir mit CD-Rom per Post oder wir fahren mit einem USB-Stick nach Bad Reichenhall. Eigentlich ist es ein Wahnsinn.” In Schneizlreuth gibt es nur Schneckentempo-Internet. „Dabei liegt 100 Meter von unserer Firma entfernt ein Glasfaserkabel zur E-Stelle der Bundeswehr”, ärgert sich BMK-Geschäftsführer Bernd Köppl. Die Firma konstruiert und produziert hochkomplizierte Bauteile für andere Unternehmen. „Die Datenmengen werden immer mehr”, weiß Köppl.
Das Problem des langsamen Internets ärgert auch die Gemeinde: „Internet in Schneizlreuth macht keinen Spaß”, erklärt Frank Wolf, zweiter Bürgermeister, der selber Unternehmer ist und unter Endlosladezeiten leidet. „Das Problem ist, dass die Telekom nur Verträge bis zu 24 Monaten anbieten kann, so dass sich der Telefon-Anbieter nicht sicher sein kann, dass sich seine DSL-Investitionen in Verteilerknoten rechnen.” Der Supergau für die Telekom wäre also, die ganze Gemeinde schließt an und wechselt dann nach 24 Monaten kollektiv zu einem anderen Anbieter. Funknetze wie in Bergen oder Schnaitsee fallen im von hohen Gipfeln umschlossenen Schneizlreuth aus. Nun überlegt die Gemeinde ernsthaft, da man ohnehin die Abwasser-Kanäle ins österreichische Unken hinunter baut, ob man DSL-Leitungen von dort legen könnte.
„Das ist ja total lächerlich, dass wir das DSL von Österreich legen müssen, bloß weil wir die Interessen nicht unter einen Hut bringen”, ärgert sich Bernd Köppl. Die Gemeinde will noch nicht aufgeben: „Wir waren knapp dran, dass wir eine Förderung bekommen hätten. Nun versuchen wir, das Verfahren noch einmal aufzurollen”, sagt Frank Wolf. „Vielleicht klappt es beim zweiten Mal. Und auch Bernd Köppl überlegt sich, noch einmal „an die Politik heranzutreten, dass sich da was tut”. Aber solange müssen Ursula Maier und ihre Kollegen ins Auto steigen - und 100 Meter entfernt liegt eine Glasfaserleitung.
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