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MEINUNGEN | Im Gespräch | Rotes Bankerl

"Dummheit ist wie ein Pilz"
Entertainer. Beim Konzert der Ersten Allgemeinen Verunsicherung zeigte sich Frontmann Klaus Eberhartinger ebenso gesprächig wie auf unserem Roten Bankerl.
Redaktion: Herr Eberhartinger, Sie sind in Braunau am Inn aufgewachsen - gleich an der bayerischen Grenze. Wie ist Ihr Verhältnis zu Bayern und Ihren bayerischen Fans?
Eberhartinger: Meine Schwester wohnt in Bad Füssing, ich wohne auch gelegentlich dort, so dass ich zum Teil Wahlbayer bin. Ich glaube, dass wir dem selben Kulturkreis angehören - schon vom Essen her.
Redaktion: Sie sind in diesen Tagen als Frontmann der EAV auf Tour. In den letzten Jahren waren Sie beruflich aber recht umtriebig: als Moderator und Entertainer von Sendungen wie „Dancing Stars“, „The great Hadern Show“ oder als Operettenstar. Ist die EAV dennoch Ihre berufliche Heimat?
Eberhartinger: Die EAV ist die Heimat, sie ist die Wurzel, sie ist das Baby. Das wird sie immer bleiben. Das andere sind Ausflüge, wobei Fernsehen schon immer wichtiger wird und ich mir in Zukunft auch vorstellen könnte, mir eine Talkshow angedeihen zu lassen - falls man mich lässt.
Redaktion: Ein bisschen hat EAV mit denselben Problemen zu kämpfen, wie andere Austropop-Kollegen, beispielsweise Wolfgang Ambros oder STS. Große Teile des Publikums wollen bei Konzerten in erster Linie die alten Gassenhauer hören - bei der EAV Banküberfall, Märchenprinz oder „Küss die Hand schöne Frau“. Singen Sie die immer noch gern oder würden Sie lieber darauf verzichten?
Eberhartinger: Wir haben das die letzten zwei Shows bedient, vor allem bei der Jubiläumsshow. Diesmal machen wir das, was wir früher auch gemacht haben, nämlich wenig Altes zu spielen. Wir haben uns zu einem 70 zu 30 Programm entschlossen. Auch bei der Platte waren wir kompromissloser - ein Risiko, das aber voll aufgegangen ist. Für Thomas Spitzer und mich war auch nicht die Frage, ob das Publikum das goutiert. Wir nehmen uns nach so vielen Jahren auch heraus, das zu tun, was uns Spaß macht. Denn das ist die Voraussetzung, dass es auch dem Publikum gefällt.
Redaktion: Die EAV wird immer noch von manchen vorschnell in die Klamauk-Schublade gesteckt. Ärgert es Sie ein bisschen, dass Sie trotz gesellschaftskritischer Texte - man denke nur an den Anti-Atomkrafttitel Burli - nie als so gesellschaftskritisch empfunden wurden wie beispielsweise STS?
Eberhartinger: Vom Privaten her ist die EAV, sprich Spitzer/Eberhartinger immer wesentlich politischer und politisch bewusster gewesen als STS, die eher allgemeinkritisch waren. Dass man uns als Blödelkombo bezeichnet hat, liegt an Auskoppelungen wie Märchenprinz, bei denen der Tiefgang vermisst wurde. Den Leuten, die uns live gekannt haben, war immer klar, dass bei uns mehr los ist.
Redaktion: Die aktuelle CD „Neue Helden“ präsentiert sich gesellschaftskritisch wie in alten Zeiten. „Unklare Zustände verlangen eine klare Sprache“, sagt ihr Bandkollege und Songtexter Thomas Spitzer. Inwiefern sind die Zustände unklar?
Eberhartinger: Es ist eine schwierige Zeit. Jetzt zeigt der freie Markt die Zähne. Die Zeiten sind unklarer geworden, weil diese Art des Wirtschaftens und diese Art des Regierens sich selbst ein bisschen in die Sackgasse manövriert hat.
Redaktion: Ein Lied heißt „Dummheit an die Macht“ - ist die Dummheit in der heutigen Zeit noch augenscheinlicher geworden oder war sie immer schon gleich präsent?
Eberhartinger: Die Dummheit ist nicht größer geworden, sie ist mehr geworden. Dummheit ist wie ein Pilz, sie überzieht eine Gesellschaft und steckt an.
Redaktion: Der Titel „Neue Helden“ ist eine eindeutige Kritik am niveaulosen Medien-Mainstream. Nehmen Sie selbst nur Engagements für Unterhaltungssendungen an, die Sie persönlich unterschreiben können?
Eberhartinger: Natürlich muss man in unserer Branche auch Kompromisse eingehen. Unterhaltung ist gerechtfertigt. Aber Vieles ist nicht mehr unterhaltend sondern niveaulos.
