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Weil Frost bisher so gut wie ausgeblieben ist, können die Maurer weiterarbeiten – wie hier auf einer Baustelle in Traunstein.
Foto:Janina Hügel

„Dieser milde Winter ist ein Geschenk Gottes“


Umsatzplus. Dank der milden Temperaturen können Baufirmen Aufträge abwickeln, die erst für das Frühjahr vorgesehen waren. Saisonbedingte Arbeitslosigkeit ist aktuell kein Thema.

TRAUNSTEIN/BERCHTESGADENER LAND. Auf den Baustellen wird fleißig gehämmert, gemauert und gespachtelt - und das, obwohl eigentlich Winter herrscht. Doch die Witterung ist so mild, dass kaum ein Hausbau unterbrochen werden muss. „Die Frosttage kann man an einer Hand abzählen, das sind natürlich perfekte Bedingungen für die Baubranche“ freut sich Ernst Mayer, der Obermeister der Bau-Innung Traunstein und Berchtesgadener Land. Mayer hat selbst eine Baufirma in Ruhpolding und kann seine Mitarbeiter schon den ganzen Winter ohne Einschränkungen auf den Baustellen arbeiten lassen. „Die milde Witterung ist für uns alle sehr positiv, man kann von einem Geschenk Gottes sprechen“ erzählt Mayer stolz. Normalerweise stehen mit dem ersten Frost auch die Kräne und Betonmischer auf den Baustellen still - aber nicht in diesem Winter. „Wir haben sehr viel zu tun, weil wir jetzt alle Aufträge fortführen können, die sonst bis zum Frühjahr Pause gehabt hätten", erklärt der Obermeister. Das bedeutet für die Bauarbeiter viele Überstunden, weil oft auch freitags
und samstags bis abends gearbeitet wird. Auch das „Stempeln“, also vorübergehendes saisonbedingtes Ausstellen der Bauarbeiter, bleibt dadurch in diesem Winter aus.

Fachkräftemangel statt „stempeln“

Ganz im Gegenteil. „In der Baubranche spüren wir den Fachkräftemangel sehr deutlich“, sagt Mayer. Wer jetzt einen gut ausgebildeten, fleißigen Maurer braucht, sucht oft vergebens. Nicht nur die Chefs der Baufirmen sind über die milde Witterung sehr glücklich, auch die Bauherren freut dieser Umstand. Ernst Mayer weiß: Je eher man ins neue Eigenheim kann, desto besser. „Bleibt nur zu hoffen, dass uns die Aufträge, die wir jetzt schon abwickeln können, nicht später im Jahr fehlen werden.“ Jedoch ist die Baukonjunktur derartig im Aufschwung, dass Mayer für das erste Halbjahr 2012 mit einer sehr guten Auftragslage rechnet. Maurer sprechen von dem Phänomen „Betongold“, weil viele Häuslebauer in letzter Zeit gerne hohe Summen in den Bau oder die Erweiterung des Eigenheimes investieren. Immobilien werden von vielen als die derzeit sicherste Geldanlage gesehen. „Deshalb war 2011 ein Rekordjahr für die Bauwirtschaft in der Region - das beste Jahr seit Langem“, betont Mayer.

Auch die Agentur für Arbeit Traunstein kann den positiven Trend aus der Baubranche bestätigen. „In diesem Winter haben sich wohl dank der milden Witterung viele Beschäftigte aus dem Bauhandwerk nicht arbeitslos melden müssen, das spüren wir deutlich“, teilt Michael Schankweiler, Geschäftsführer operativ der Agentur für Arbeit in Traunstein, mit. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Arbeitslosmeldungen höher gewesen. „Sollte es jedoch bald einen richtigen Wintereinbruch in der Region geben, werden sich sicher noch einige Leute aus der Baubranche bei uns melden.“

Janina Hügel 10.01.2012
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