Endlich mal wieder ein Bier am Tresen im «Baamhakke». Tobias Regner konnte den Treffpunkt zum Interview mit unserer Zeitung frei wählen und entschied sich für die alte Stammkneipe am Högl.
Foto:Katrin Detzel

«Superstar» seit einem Jahr

DSDS-Gewinner Tobias Regner zieht beim Interview in seiner Stammkneipe Bilanz

Piding - «He, du Münchener Striezi». Franz, der Wirt von Tobias Regners alter Stammkneipe, freut sich. Es ist noch früh am Abend, wenige Gäste sind da. Regner schaut sich mit breitem Grinsen um, findet`s super, mal wieder hier zu sein. Ein Jahr ist es her, dass er die RTL-Show «Deutschland sucht den Superstar» (DSDS) gewonnen hat und ihn quasi über Nacht jeder kannte. Großes Getue macht im «Baamhakke» auf dem Högl bei Piding aber keiner um den 24-jährigen Teisendorfer. Er gehört ganz einfach dazu, kann sich ungestört an die Theke setzen und in einem Interview mit unserer Zeitung Fazit ziehen über das eine Jahr als «Superstar».

CN: Tobias, du durftest den Ort fürs Interview wählen. Warum sitzen wir jetzt im «Baamhakke»?

Regner: Seit ich 16 bin, komme ich hier her. Ist doch stark, der alte Bauernhof, der seit mindestens 20 Jahren eine Rockkneipe ist. Die Musik gefällt mir auch. Bis letztes Jahr war ich jeden Donnerstag hier. Echt verwerflich, ich war jetzt seit Silvester nicht mehr hier...

CN: Die Musik hier ist ziemlich hart. Deine bisherigen Hits recht soft. Was hörst Du? Willst Du nicht auch härtere Musik machen?

Regner: Das Fernsehpublikum steht eben auf andere Musik, als die, die ich früher gemacht habe. Der Mittelweg war, etwas kommerziellere Songs aufzunehmen. Ich bin zwar auch mit meinen Songs Kompromisse eingegangen, aber ich mag das Album, hatte ja auch schon drei eigene Songs drauf. Für mich muss Musik unter die Haut gehen. Entweder eine schöne Melodie haben, oder, wenn es nur «Geschrei» ist, von geilen Gitarrenparts leben. Mein nächstes Album wird anders klingen als das erste: gitarrenlastiger, melodischer, harter Rock.

CN: Erzähl mehr!

Regner: Ich habe mir gerade eine neue Band zusammengestellt, wobei die Plattenfirma mir völlig freie Hand ließ. Ich brauche Leute, die alle musikalisch so ticken wie ich und so begeistert sind wie ich. Und die habe ich jetzt. Ende April sollen die Demos fertig sein.

CN: Wo lebst Du jetzt eigentlich?

Regner: Seit einem Monat habe ich eine Wohnung in München; zwei Zimmer, direkt an der Isar. Bin gerade beim Möbelkaufen und Einrichten. In der Umgewöhnungsphase bin ich auch noch öfter in Teisendorf.

CN: Verfolgst Du die aktuelle DSDS-Staffel? Deine Favoriten?

Regner: Ja, ich schaue die Shows. Meine Favoriten sind Lisa Bund und Max, der sich im Laufe der Show am meisten entwickelt hat und ein bisschen so ist wie ich: auf seine Musik konzentriert und eher immer im Hintergrund.

CN: Hat Dich die Vermarktung Deiner Person nicht genervt?

Regner: Dass man vermarktet wird, damit muss ich rechnen, wenn ich einen Weg weniger mühseligen Weg wie DSDS wähle. Die Alternative ist, ewig live spielen und auf das Glück hoffen, dass einen ein Produzent hört. Aber klar, die von DSDS wissen, was die Leute sehen wollen, da macht neben der Musik ein ganzes Paket die Show aus: die Wettkampf-Situation, die Sprüche von Dieter Bohlen....

CN: Ach ja, die Sprüche von Bohlen. Findest Du die auch zu hart?

Regner: Die gehen auf jeden Fall unter die Gürtellinie und kränken Leute, die eigentlich auf ein fachmännisches Urteil gehofft hatten - gut für die Show, unfair den Leuten gegenüber.


CN: Würdest Du den Weg DSDS nochmal gehen?

Regner: Hmmm, ich bin bekannt und habe, denke ich, einen guten Ruf. Der Hype nach dem Finale ist natürlich verdammt kurzlebig. Doch, ich würd`s wieder machen, aber natürlich habe ich inzwischen auch einiges gelernt und würde sicherlich während der Show manche Sachen anders machen.

CN: Wie fühlte es sich an, als der enorme Medienwirbel um Dich allmählich nachgelassen hat?

Regner: Hat schon Spaß gemacht, dieses große Medieninteresse. Andererseits ist es jetzt ganz erholsam, wenn man nicht mehr in jedem Lokal auf der Hut sein muss, weil die Boulevard-Reporter auf der Lauer liegen. Aber natürlich brauche ich die Medien ja auch, wenn ich das neue Album veröffentliche, um das Interesse über die bisherigen Fans hinaus zu wecken. Wenn man durch DSDS bekannt wird, sind irgendwann die Fans weg, denen es nicht um die Musik ging, sondern die das DSDS-Gesamtpaket lieben. Die sind jetzt auf die neue Staffel konzentriert.

CN: Was tust Du um mal abzuschalten?

Regner: In letzter Zeit habe ich das gar nicht mehr geschafft, da ging mir zu viel durch den Kopf. Die Wohnung, die Band, Songs schreiben fürs neue Album... Mir geht das alles zu schleppend, ich bin eben ungeduldig. Das schadet meiner Gesundheit, ich schlafe zu wenig. Abschalten geht am besten daheim bei meinen Eltern: beim Joggen, auf der Couch beim Fernsehen oder vorm Laptop auf der Suche nach Textideen.

CN: Letztes Jahr versuchte die Bild Zeitung, Dir eine Freundin zu suchen. Hast Du jetzt eine?

Regner: Wenn`s mich mal wieder erwischen sollte, sage ich nicht nein. Aber ich war zu viel mit Musik beschäftigt. Vielleicht läuft mir ja mal eine über den Weg.

CN: Wird man als DSDS-Gewinner reich?

Regner: Solange man oben ist, verdient man natürlich gut und ich kann ein paar Jahre davon leben. Aber so reich, dass ich ausgesorgt hätte, bin ich nicht. Ich habe weder Villa noch Ferrari.

CN: Vorteile und Nachteile des Bekanntseins?

Regner: Nachteil: Die Privatsphäre ist beschnitten. Vorteil: Viele kleine Annehmlichkeiten, die das Leben verfeinern. So wie zum Beispiel einen kostenlosen Testwagen, den man einfach von Seat für ein halbes Jahr gestellt bekommt.

CN: Hast Du noch dieselben Freunde wie früher?

Regner: Die neuen Leute durch DSDS sind alle cool, kommen aber an die Freunde, die ich schon immer hatte, nicht ran. Die alten Kumpels haben schon schlechtere Zeiten mit mir durchgemacht, mit denen ist es am geilsten. Ich hätte gerne mehr Zeit für sie.

CN: Was ist außer dem neuen Album für heuer geplant?

Regner: Eine Clubtour machen, ganz viel live spielen. Sicher auch mal hier im «Baamhakke». Echt eine Schande, dass ich solange nicht hier war...

Katrin Detzel 17.04.2007

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