
Lebenau - Abstoßend, hässlich, selten dekorativ. Die meisten Maler wären verärgert, würde man das über ihre Bilder sagen. Bei Agnes Felicitas Adler ist das anders. Die Künstlerin aus Lebenau bei Fridolfing sagt selbstbewusst: «Ich kann es mir leisten, nicht schön zu malen.»
Ihre Portraits haben nichts mit dem klassischen Schönheitsideal oder Fotorealismus gemein, zeigen verzerrte, traurige Gestalten - wilde, ausdrucksstarke und geheimnisvolle Gesichter. «Manchmal erschrecke ich selber, was ich da gemalt habe», so A. F. Adler, wie sie sich mit Künstlernamen nennt. Und trotzdem: Nicht von ungefähr wollen Galerien in ganz Deutschland Werke der Künstlerin zeigen. Nicht von ungefähr wertet Deutschlands bekanntester Galerist für zeitgenössische Kunst, Michael Schultz aus Berlin, ihre Bilder als «sehr authentisch und sehr gut». Prof. Dr. Schmidt, ein Kunstkenner, erklärte kürzlich den Grund dafür: «Man sieht die Bilder mit den Augen und nimmt sie mit dem Bauch wahr.» Der Betrachter reagiert unmittelbar auf die im Bild transportierten Gefühle wie Neid, Verzweiflung oder Wut, sagt sich «das hat was».
«Das Leben ist schön, obwohl praktisch alles dagegen spricht», hat A. F. Adler auf ein überdimensionales Plakat geschrieben und in ihrem Atelier im Elternhaus in Lebenau aufgehängt. Zur Hälfte lebt sie in der ländlichen Ansammlung weniger Häuser nahe Fridolfing, zur Hälfte in München. Die Portraits und das Motto alleine könnten den Eindruck erwecken, die 50-Jährige sei eine Schwarz-Seherin, ein vom Leben enttäuschter Mensch.
Aber schon beim Eintreffen des Besuchs steht sie da - in fröhlich bunter Batikbluse und Samthut - und strahlt über das ganze Gesicht. Die Wände im Atelier zeigen, dass sie auch anders kann: heitere Aquarelle von farbigen Papageien und Blumenbilder, denen aller Kitsch fehlt, schlicht, klar und lebendig. Voller Begeisterung erzählt A. F. Adler, wie sie für ihre Wand füllenden «Rupfnbilder» lange an der (streng geheimen) Rezeptur für eine Farbe experimentierte, die auf dem groben Jutegewebe als Untergrund haftet ohne zu zerbröseln. Ausgestellt hat sie die bis zu vier Meter großen Werke im Frühjahr im Künstlerhof in München; «…de Rupfnbilda, de Deifin, de riesigen - man konns sies jo denga - nur da Künstlerhof war hoch gnug zum henga…»», sagt A. F. Adler in einem ihrer Mundart-Gedichte. Als bayerische Dichterin inszeniert sie sich bei ihren Vernissagen selbst, versucht, die bei solchen Veranstaltungen verbreitete steife Stimmung erst gar nicht aufkommen zu lassen. Derzeit arbeitet sie für eine Wanderausstellung durch ganz Deutschland an einem Bilder-Zyklus über starke Frauen im Alten und Neuen Testament. «Aber ich komme immer wieder auf die Köpfe und Portraits zurück. Das ist einfach mein Ding», stellt A. F. Adler bei aller Vielfalt klar.
Danach der Wunsch, mit Ausländern zu arbeiten, die Zeit im Container-Lager. Künstlerisch entwickelte sie sich weiter: Ist stolz auf ihr Förderstudium bei Prof. Dr. Markus Lüpertz in Düsseldorf und Helmut Mittendorf in Berlin. Ist Mitglied der Münchener Künstlerkolonie «Idylle: Kunst im Glashaus» und nimmt derzeit auch in München an einem Projekt für Kunst und Kultur mit anderen international renommierten Künstlern im «Forum am Hirschgarten» teil. Wenn sie verhandelt, weiß A. F. Adler, was sie will. «Ich bin nicht zu 100 Prozent bescheiden, aber ich dränge mich auch nicht auf», sagt sie andererseits.
Bei den ersten Ausstellungen haben sich die Eltern noch ein wenig geniert, wegen der düsteren, hässlichen Portraits. «Kannst nicht mal was Schönes malen?», haben sie gefragt. Inzwischen gibt der Erfolg der Tochter Recht. Auch im elterlichen Wohnzimmer hängt jetzt eines ihrer Bilder.