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Foto:Ernst Jani

Ein Mann mit vielen Gesichtern

Ernst Jani steht seit 25 Jahren mit literarischem Kabarett auf der Bühne

Laufen - «Zu Jani geht man gern und freiwillig», hat eine saarländische Zeitung über Ernst Jani (42) geschrieben. Wer den humoristischen Vortragskünstler schon auf der Bühne erlebt hat, wird zustimmen und sich erinnern an Janis leidenschaftlich eingesetzte Stimmgewalt und sein vielseitiges Mienenspiel. Die Chiemsee Nachrichten besuchten Ernst Jani zu Hause in Lepperding und warfen dort auch einen Blick auf seine minimalistisch-abstrakten Zeichnungen. Was blieb? Die Einsicht, dass man nicht nur gern zu Jani geht. Weil´s so gemütlich ist, kommt man von Jani auch nicht mehr weg.

Ernst Jani lebt zusammen mit Frau Gabi und Tochter Teresa ein wenig ab vom Schuss, in Lepperding bei Laufen. Im Haus liegt Essensduft in der Luft, in der Küche ist der Tisch schon gedeckt. «Bei uns ist das ned mords der Künstlerhaushalt», sagt Jani später beim Essen. «Bei uns ist´s gemütlich. Ich hab´ keine Zeit und Lust, mich selber zu inszenieren.»

Jani, das merkt man schnell, ist einer, der sich nicht wichtig nimmt. Der sich wenig darauf einbildet, auf den Bühnen zwischen Ostfriesland und Berchtesgaden, zwischen Zürich und Wien zu stehen. «Ich bin ein Dilettant», sagt er, «dem griechischen Wortsinn nach zumindest: jemand, der sich mit Hingabe einer Sache widmet.»

Das kann jeder bestätigen, der Jani bei einem seiner Auftritte erlebt hat. Wie er Literatur vorträgt, von Karl Valentin oder Oskar Maria Graf. Von Kurt Tucholsky oder Joachim Ringelnatz. Wie er mit seiner Stimme und seiner Miene spielt. Wie er die Zwerchfelle seiner Zuschauer zum Erschüttern bringt. «Energie in jeder Geste», schreibt die Süddeutsche Zeitung über den 42-Jährigen. «Er gehört zweifellos in die Extraklasse der (Vor)leseverrückten», urteilt der Konstanzer Südkurier. Zwei Jahre habe er Gesangsunterricht genommen und dabei seine Stimme trainiert, erzählt Jani. Im Großen und Ganzen aber ist sein gewaltiges Organ gottgegeben. Genau wie die Mienen, die er zu ziehen vermag. Vor dem Spiegel geübt, das schwört er hoch und heilig, habe er noch nie. «Wenn ich das vorher ausprobieren würde, ginge die Authentizität verloren», glaubt Jani. «Das muss auf der Bühne aus mir rauskommen.» Sein Publikum nennt der Lepperdinger seinen «wesentlichen Partner». Die literarischen Texte, die es mit ihm zusammen auf die Bühne schaffen, wählt er sehr bewusst aus. «Sie brauchen eine Lebendigkeit, die auf der Bühne funktioniert.»

Ernst Jani ist einer, der viel nachdenkt über die Welt und die Menschen. Ein Grübler ist er nicht. Er ist einer, der viel lacht, und behauptet, auch ab und zu grantig zu sein. Glauben will man ihm letzteres nicht so recht. Aber wenn´s denn so wär´, dann würden sicher die Wände im Lepperdinger Haus wackeln, bei Janis Stimmgewalt.

Ernst Jani, das ist nicht nur der Rezitator und Kabarettist. In seinem Atelier im Dachgeschoss seines Hauses stehen nicht nur Bücher bis an die Decke. Auf Boden und Tischen stapeln sich seine Zeichnungen, die auch bei Ausstellungen zu sehen sind. Sie sind abstrakt, oft minimalistisch. «Ois, wos zvui is, widerstrebt mir», sagt Jani. Er möge kein langes Herumgetue.

«Ich weiß nicht, ob das eine Doppelbegabung ist», witzelt Ernst Jani mit Blick auf seine Vortragskunst und Malerei. «Ich mach halt beides», sagt er in seiner unkomplizierten Art. Beides zusammen mache ihn, Ernst Jani, eben aus.

Es sei viel Wühlerei, Leserei und Kopiererei, bis ein Soloprogramm für die Bühne stehe. «Das ist ein Aufwand», sagt Janis Frau Gabi mit einem Lachen; sie hat ihren Mann beim Salzachtheater Laufen kennen gelernt, in den Achtzigern, bei den Proben für «Das Haus in Montevideo». Damals waren beide als Schauspieler dabei, danach stand Jani der Theatergruppe 20 Jahre als Regisseur vor. «Aus Zeitgründen» habe er das jetzt an den Verein zurückgegeben.

Den vollen Terminkalender nimmt man Ernst Jani ab. Vor kurzem erschien seine erste Live-CD «Musenkuss mit Pferdefuß». Mit sechs Auftritten wird er von 7. bis 12. Mai sein 25-jähriges Bühnenjubiläum feiern. «Alle mal herlachen» heißt das Programm dafür. Drei mal wird Jani damit im Alten Rathaus in Laufen, drei mal im Traunsteiner «Nuts» auf der Bühne stehen - seinen beiden Lieblingsbühnen. Das sind sie wohl auch, weil sie in den beiden Städten liegen, die Janis Leben prägten: Traunstein, wo er seit über 20 Jahren als Verwaltungsbeamter bei der Staatsanwaltschaft arbeitet und wo er künstlerisch sehr aktiv ist.

Und Laufen, wo er aufgewachsen ist und noch heute lebt. Wo alles angefangen hat - mit einem Kühlschrank. Damals kamen Einwanderer in die Stadt, die zu arm waren, um sich einen Kühlschrank zu kaufen. Jani, damals 18, Gymnasiast und Mitarbeiter beim Roten Kreuz dachte sich: «Das Geld muss doch zusammenzubringen sein». Er organisierte in der Schulaula einen humoristisch-literarischen Abend. Auf der Bühne saß er selbst. «Die Aula war voll und die Leute lachten», denkt Jani zurück. Da hat er weitergemacht.
Ein Ende ist lange nicht in Sicht. «Wenn nix dazwischen kommt, mach´ ich das, bis ich 80 bin», sagt er und zieht einen dicken Ordner aus einem Regal in seinem Atelier. «Der ist voller Ideen. Bis ich die alle umgesetzt habe, bräuchte ich noch drei Leben.»

Sandra Schwaiger 24.04.2007

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